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Viel Spaß!

Dualaktivierung und Equikinetic 18.02.2018

Um dem grauen Winteralltag und der Stagnation im Training entgegenzuwirken, fand am Sonntag, den 18. Februar 2018, auf unserem Hof ein Tageskurs zur Dualaktivierung und Equikinetic mit der lizensierten Trainerin Brigitte Hochgraef statt. Sechs Mensch-Pferd-Paare sowie eine Zuschauerin fanden sich zusammen, um gemeinsam in diese beiden recht neuen Trainingsmethoden nach Michael Geitner reinzuschnuppern und damit eventuell eine Bereicherung für das alltägliche Training zu finden.

Bereits um 9 Uhr starteten wir mit einer ersten Theoriestunde zur Dualaktivierung. Dazu machten wir es uns in der Küche mit Decken, Tee und Kaffee gemütlich. Dieses Training ist vor allem Kopfarbeit für das Pferd, denn es muss verschiedene Hindernisse überwinden beziehungsweise durchschreiten. Es wird longiert oder geritten absolviert, heute probierten sich alle Teilnehmerinnen im Longieren. Die Hindernisse werden mit drei Meter langen, blauen und gelben Schaumstoffgassen, Dualgassen genannt, sowie blauen und gelben Pylonen aufgebaut. Wer sich jetzt fragt, warum ausgerechnet diese zwei Farben genutzt werden und warum dieses Training so anstrengend für den Kopf ist, erhält hier die Antwort.

Pferde haben eine andere Wahrnehmung als der Mensch: ihre großen, seitlich am Kopf sitzenden Augen bieten nahezu einen Rundumblick von 360 Grad. Denn als Fluchttiere müssen sie Feinde möglichst schnell erkennen können. Beide Augen nehmen dabei unabhängig voneinander Bilder auf (monokular) und senden diese an die jeweils gegenüberliegende Gehirnhälfte, um sie dort übereinander zu legen. Dabei hakt es jedoch bei der Verknüpfung beider Gehirnhälften. Mit dem linken Auge sehen Pferde potentielle Gefahren, während sie mit dem rechten Auge mögliche Fluchtwege auskundschaften, deshalb können sie an einem Gegenstand auf der einen Seite gelassen vorbeigehen, während sie auf der anderen Seite vor genau demselben Gegenstand scheuen.

Weiterhin haben Pferde nur zwei verschiedene Arten von Zapfen (Farbrezeptoren, sie sind Dichromaten, der Mensch hat drei Zapfen), deshalb können sie die Farbe Rot nicht wahrnehmen. Man geht davon aus, dass sie ähnlich wahrnehmen wie Menschen mit Rot-Grün-Schwäche. Am besten können sie Blau und Gelb sehen, weshalb eben diese beiden Farben bei der Dualaktivierung im Wechsel in den Hindernissen eingesetzt werden, um die Verbindung zwischen beiden Gehirnhälften des Pferdes anzusprechen und zu trainieren.

Als erste stellten sich Marie und Janine mit den Schimmelponys dem blau-gelben Parcours und wie zu erwarten, sahen Pina und Pablo der neuen Aufgabe gelassen entgegen und meisterten sie vorbildlich. Es folgten Peredur und Malina, wobei ersterer sich als wahrer Musterschüler herausstellte und letztere einige Anfangsschwierigkeiten hatte. Vor allem, weil sie den "Schnupperkurs" allzu ernst nahm und wirklich jede einzelne Gasse ausgiebig beschnüffeln und auch auf ihren Geschmack prüfen wollte. Doch auch Malinchen war am Ende der Übung bei der Sache und setzte ihre Hufe bedacht über und durch die Dualgassen. Die beiden Braunen Monty und Apache brauchten einen Moment, um sich die ungewohnten Balken auf dem Boden anzusehen und auch zu verstehen, was Michelle und Lena von ihnen wollten. Doch sobald sie begriffen, versuchten sie möglichst alles richtig zu machen und arbeiteten toll mit. Allen Vier- und auch Zweibeinern sah man nach dieser praktischen Einheit deutlich an, wie anstrengend die Dualaktivierung ist, sowohl für den Kopf als auch für den Körper, da man seine Beine geschickt über den blau-gelben Hindernissen sortieren und koordinieren muss.

Es folgte die Mittagspause, in der wir uns aufwärmten, bereits die Theorie zur Equikinetic besprachen und uns vor allem über das reichliche und super leckere Essen hermachten. Aus "ein paar Snacks für zwischendurch" wurden Kuchen und Kekse, Kartoffel- und Nudelsalat, Bouletten und Pizzaschnecken, eine sehr leckere Soljanka mit Baguette, Obst- und Gemüseteller und Tee, Saft, Kaffee. Ein Wunder, dass wir danach nicht über den Platz rollten. ;-)

Die Equikinetic dient hauptsächlich dem Muskelaufbau des Pferdes, wobei sie zahlreiche andere positive Effekte erzielt, zum Beispiel verbessert sie das Achtgeben auf Körpersprache, die Koordinationsfähigkeiten und die Kommunikation. Es wird geritten oder longiert, in den Gangarten Schritt und Trab, in einer „Quadratvolte“ (siehe Fotos, der Durchmesser beträgt sechs Meter). Es handelt sich um ein Intervalltraining, das dem Krafttraining für den Menschen entnommen wurde. Drei Minuten läuft das Pferd in der richtigen Stellung, bei gleichmäßigem Takt, im Schritt über und im Trab unter dem Komforttempo in der Quadratvolte, dann folgt eine Minute Pause, die im Stehen oder im entspannten Schritt verbracht werden kann. Jede Trainingseinheit kann bis zu acht Intervalle enthalten.

Schließlich ging es ans Ausprobieren mit unseren Ponys und Pferden, die sich bestimmt wunderten, schon wieder auf den Platz mit den blau-gelben Gassen zitiert zu werden. Manch einer war jedoch auch interessiert, wie zum Beispiel Peredur, der sich gemeinsam mit Xenia das Ganze anschaute, bevor er an der Reihe war. Von außen betrachtet mag auch diese Art des Trainings nicht anspruchsvoll erscheinen, doch unsere vier-und zweibeinigen Probanden werden euch das Gegenteil versichern. Bei regelmäßiger Wiederholung wird man recht schnell einen Effekt beim Pferd sehen, es lohnt sich! Insgesamt war es ein sehr interessanter, aber auch anstrengender Kurstag, mit vielen neuen Informationen, Eindrücken und Trainingsanreizen für Mensch und Pferd.

 Autorin: Tina Hillmann